Bon Voyage!
Reisen in der Kunst der Gegenwart

07. Oktober 2020 – 10. Januar 2021

Viele Künstler haben sich seit dem ausgehenden Mittelalter und der Frühen Neuzeit auf Reisen begeben – auf der Suche nach Austausch, künstlerischer Inspiration oder einfach nach Arbeit. Es kam zu Begegnungen mit den ‚klassischen‘ Auftraggebern, der Kirche und dem Adel, und zunehmend auch mit einer neuen Schicht von Kunden: dem zu Wohlstand gekommenen Bürgertum, das es sich zum Beispiel aufgrund des zunehmenden Handels und steigender Produktivität leisten konnte, es den Adligen gleich zu tun, und Bilder und Skulpturen bei Künstlern in Auftrag zu geben.

War es im 19. Jahrhundert Italien, das viele nordeuropäische Künstler anzog, suchten sie in der Klassischen Moderne nach weiter entfernt liegenden Zielen, zum Beispiel in Afrika, oder der paradiesische Zustände verheißenden Südsee. Kamen die einen Künstler mit wegweisenden Inspirationen zurück, kehrten die anderen – falls überhaupt – der Ferne desillusioniert den Rücken. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist kaum eine Berufsgruppe so viel auf Reisen wie die der Künstler: Sie begleiten ihre Werke zu Ausstellungen, Messen und Auktionen, bauen Installationen vor Ort auf, führen Performances durch, oder begeben sich auf Stipendien- oder Forschungsreisen. Auf viele Künstler lassen sich immer weniger nationale Zuschreibungen anwenden, da sie international unterwegs sind, in Berlin, New York oder London arbeiten und leben. Die digitale Globalität setzt sich in ihren Viten fort. Darüber hinaus kommen die vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Austausches hinzu, die Künstler inspirieren.

Realität des Reisens erfahren

Die Ausstellung „Bon Voyage! Reisen in der Kunst der Gegenwart“ präsentiert parallel zu der großen Dürer-Ausstellung im Jahr 2020 eine Auswahl an künstlerischen Positionen der Gegenwart, bei denen das Reisen im konzeptuellen Zentrum der Werke steht, die Wege zwischen Utopie und Scheitern offenbaren. Es geht mithin um künstlerische Positionen, die im Gegensatz zum omnipräsenten virtuellen ‚Reisen‘ im Internet die physischen Bewegungen in der realen Welt nutzen, um diese in ihrer Diversität und ihren vielfältigen Herausforderungen und Problemen zu erfassen und künstlerisch zu deuten.

Die Ausstellung lädt dazu ein, die Welt durch die Augen der Künstlerinnen und Künstler zu sehen, die sich oftmals abseits touristischer Pfade bewegen. Es geht u.a. um die Arktis und den Amazonas, die chinesische Mauer und Shenzhen, das Silicone Valley Chinas, um Kolonialismus und Seltene Erden, Nomadentum, Migration und schließlich darum, sich in der globalisierten Welt zurechtzufinden. Anhand von Installationen, Videos, Objekten, Fotografien und Grafiken vermittelt die Ausstellung die Faszination und Bedeutung von Künstlerreisen.

Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmen- und Workshop-Programm mit Lesungen, Tanz, Theater und Aktionstagen für große und kleine Gäste ergänzt.

Kuratiert von

Myriam Kroll, Holger Otten

Katalog

Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung in deutscher und englischer Sprache mit zahlreichen Abbildungen.

Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Str. 97-109 | 52070 Aachen
Tel. +49 241 1807104
www.ludwigforum.de