Der gekaufte Kaiser
Die Krönung Karls V. und der Wandel der Welt

1. Oktober 1520: Karl V. wird im Dom zu Aachen zum König gekrönt – wie mehr als 30 andere deutsch-römische Könige von 931 bis 1531. In Pomp und Pracht lässt der „Herbst des Mittelalters“ hier seinen späten Glanz erstrahlen. Doch Karl V., auf dem Weg zum mächtigsten Herrscher der Welt, steht als Nachfolger des „letzten Ritters“ Maximilian I. bereits für eine Ära des Umbruchs, für die bröckelnde Fassade eines bis dahin unerschütterlichen Weltgebäudes.

Schon seine Wahl durch die Kurfürsten geht alles andere als glatt über die Bühne. Nur durch eine bis dahin beispiellose Bestechungskampagne – in erster Linie finanziert durch Jakob Fugger – gelingt es Karl, seinen Rivalen Franz I. von Frankreich auszubooten und sich die Krone zu sichern – und die Wahl zum Kaiser gleich dazu. (Die feierliche Krönung zum Kaiser wird freilich erst Papst Clemens VII. im Jahr 1530 in Bologna vornehmen.)

Das Centre Charlemagne rückt in seiner Ausstellung „Der gekaufte Kaiser – Die Krönung Karls V. und der Wandel der Welt“ die Krönung Karls V. zum deutsch-römischen König und „erwählten römischen Kaiser“ in den Blickpunkt – und den Untergang des ersten globalen Imperiums.

Der Krönungsort Aachen um 1520 und die Bedeutung Karls des Großen, des Namenspatrons Karls V., für die Krönungsgeschichte werden dabei thematisiert. Bedeutende Relikte der Krönungsfeierlichkeiten sind in Aachen verblieben. Zahlreiche Bild- und Textzeugnisse sind – erstmals überhaupt für eine Aachener Krönung – erhalten. Als besondere Highlights der Ausstellung sind der originale prächtige Krönungsmantel, die Einlagebretter des Throns sowie die Aachener Kopie der Reichskrone zu nennen.

Karl, ältester Sohn von Philipp I. und Johanna von Kastilien, wächst am Hof seiner Tante, Erzherzogin Margarete, im niederländischen Mecheln auf. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1506, bis dato Regent der Niederlande, erbt er dessen Thron. Zunächst bleibt er in den Niederlanden, wo seine Tante als Statthalterin die vormundschaftliche Regierung lenkt. Kindheit und Jugend Karls V. in den Niederlanden bilden eine weitere thematische Abteilung der Ausstellung.

Herrscher eines Reichs, „in dem die Sonne nie untergeht“

1516 stirbt Karls Großvater Ferdinand, so dass ihm auch die vereinigten Königreiche von Kastilien, Aragon und Granada zufallen. Zugleich kommen die Königreiche von Neapel, Sizilien und Sardinien hinzu. Damit nicht genug: In Süd- und Mittelamerika herrscht Karl über das riesige spanische Kolonialreich. Unter seiner Regentschaft erreichen die Zerstörung der altamerikanischen Kulturen sowie die Ausbeutung und Versklavung der indigenen Völker durch die Konquistadoren ihren traurigen Höhepunkt.

Waren und Errungenschaften aus der „Neuen Welt“ werden rasch im europäischen Alltag sichtbar. Das zeigt der dritte Schwerpunkt der Ausstellung.

Karl V. herrscht über ein globales Imperium, das man später ein Reich, „in dem die Sonne nie untergeht“, nennen wird. Doch kämpft er zugleich auch immer mit dem Anspruch auf ein universales Kaisertum und dem Problem, diesen Anspruch in den verschiedenen Teilen seines Weltreichs durchzusetzen, zumal in einer Zeit vielfältiger Umbrüche: Die militärische und die Medien-Revolution der Frühen Neuzeit führen zu einem Paradigmenwechsel. Die alten Weltbilder zerbrechen im Zuge der ersten Globalisierung. Das Vordringen der Türken stellt eine äußere Bedrohung dar. Der Bruch der Glaubenseinheit im christlichen Europa durch die Reformation tut ein Übriges. Karls globales Reich ist unregierbar geworden. 1556, im Alter von 55 Jahren, legt der mächtigste Mann der Welt Krone und Ämter nieder.

Ein Kloster westlich von Madrid ist das letzte Refugium des Kaisers. Dort stirbt er, körperlich und seelisch erschöpft, am 21. September 1558.

Die Ausstellung im Centre Charlemagne wird 600 Quadratmeter auf zwei Etagen bespielen.

Dazu wird es ein wissenschaftliches Vor- und Begleitprogramm geben.

Kurator

Prof. Dr. Frank Pohle

Kuratorische Assistenz

Dilara Uygun

Katalog

Es wird ein Begleitband vorgelegt, der die Forschungsarbeit der letzten Jahrzehnte in Vielem bündelt und die Erkenntnisse insbesondere der jüngsten Zeit, die erst in oft entlegenen Fachpublikationen greifbar sind, verlässlich darlegt.

Hinweis:

Über die Ausstellung im Centre Charlemagne hinaus sind in Aachen mit dem Thron im Dom (Ort der Krönung) und dem Festsaal im Rathaus (Ort des Krönungsmahls) Originalschauplätze zu besichtigen. Bitte beachten Sie die dortigen Öffnungszeiten!

Centre Charlemagne
Neues Stadtmuseum Aachen
Katschhof 1 | 52062 Aachen
Tel. +49 241 432-4919
www.centre-charlemagne.eu